Gerrys SchreibBlog(gade)

über das Schreiben

Nachplappern

Im Deutschen gibt es immer wieder seltsame Wortkreationen, die mich besonders amüsieren. War es zuletzt die After-Show-Party (deren Google-Hitcount inzwischen auf 414.000 angewachsen ist), so könnte ich bei jedem Erwähnen von „Public Viewing“ in den Medien einen Lachkrampf kriegen. Wortwörtlich aus dem Englischen bedeutet es „öffentliches Betrachten“, was ja nicht so falsch wäre, wenn hunderte Personen auf eine Großbildprojektion schauen. Aber leider wird der Begriff in der überwiegenden Mehrheit der Fälle für eine öffentliche Aufbahrung verwendet. naja, bei manchem faden Spiel werden sich die Zuseher das wohl denken…

Diese Schein-Anglizismen, bei denen irgendwelche Obergescheiten glauben, etwas ganz Wichtiges gesagt oder erfunden zu haben, sind aber nichts Neues: Was bei uns Handy heißt, nennen die Engländer Mobile (Phone) und die Amerikaner Cell Phone oder Cellular. Aber wer weiß, was „handy“ in der amerikanischen Umgangssprache bedeutet, wird nie wieder einen Amerikaner nach seiner „handy number“ fragen…

Grauslich ist auch die echte Bedeutung für die neumodischen Stadt-Rucksäckchen, die herzigen „Body Bags“: gemeint sind nämlich – und wer sich mit der englischen Sprache auskennt, merkt es gleich – Leichensäcke!

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen: der Beamer heißt eigentlich (video) projector und wer Beamer sagt, meint einen BMW, der Oldtimer ist ein Senior und kein altes Auto, und die Beauty Farm ist kein Bauernhof (die sagen Spa dazu). Wer aber glaubt, diese Unart wäre auf die deutsche Sprache beschränkt, der irrt. Im Japanischen hat man sogar einen eigenen Begriff dafür eingeführt, Wasei-eigo (wörtlich übersetzt „English made in Japan“). Ein nettes Beispiel dort ist OL, die Office Lady, die es so nirgendwo anders gibt.

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17. Jun 2008 - Posted by | Schreiben

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